Helga Witkowski zum 90. Geburtstag

Am 8. August vollendete Helga Witkowski ihren 90. Geburtstag, 1929 in Berlin geboren kann sie auf ein unglaublich bewegtes Leben zurückblicken. Nachdem zwischen 1939 und 1943 ihre ganz Familie ums Leben kam, war sie bei einer Pflegefamilie in Angerburg in Ostpreußen, weil ihre Berliner Schule dorthin ausgelagert worden war. Auf der Flucht vor den Russen wurde sie an der Ostsee gefangen gesetzt und sollte nach Sibirien deportiert werden, wobei ihr die Flucht aus einem fahrenden Zug im polnischen Gebiet gelang und sie wochenlang im Wald überlebte. Es folgten Internierung, Haft, Zwangsarbeit und schwerste Erkrankungen – bedingt durch Mangelernährung und Typhus. Nach der Auslieferung in die DDR erkämpfte sie sich dort eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte. Ihr Motto war: „das Erlebte verdrängen und nach vorne sehen.“

1948 heiratete sie und durch ihren Mann gelang ihr die Flucht in den Westen. 1955 zog die Familie –inzwischen war auch eine Tochter geboren – nach Karlsruhe. Als Sachbearbeiterin der Abteilung „Kunst am Bau“ kam sie zur Staatlichen Majolika Manufaktur, wurde dort Abteilungsleiterin, Handlungsbevollmächtigte und schließlich ab 1983 bis 1994 Alleinvorstand. Sie hat das krisengeschüttelte Unternehmen erfolgreich in die schwarzen Zahlen geführt, die seitdem niemals mehr erreicht wurden, holte Künstler wie Markus Lüpertz in die Majolika und betonte damit wieder die künstlerische Tradition der Majolika.

Erst nach ihrer Pensionierung hat sie sich dazu überwunden, sich mit den Schrecken ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Mit Freya Klier, ehemalige Bürgerrechtlerin der DDR, nahm sie Kontakt auf, die 1993 ein Buch und einen Film über diese Thematik veröffentlicht hatte. Ein bewegender Abend fand damals 1999 zusammen mit Freya Klier in Karlsruhe statt, bei dem Helga erstmals über dieses Grauen berichtete. Ihre Memoiren darüber hat sie inzwischen zwar geschrieben und dokumentiert, veröffentlichen will sie diese aber zu Lebzeiten nicht mehr - es würde sie zu sehr belasten.

Seit 1980 ist sie Mitglied im Club SI Karlsruhe, war 2x Delegierte und Ersatzdelegierte, ihre Nominierung zur Präsidentin musste sie jedoch überraschend zurückziehen. Sie hat aber unermüdlich Spenden eingeworben und bei Verkaufsaktionen von ihrem Talent, temperamentvoll auf die Menschen zuzugehen, regen Gebrauch gemacht. Schließlich kannte sie ja auch „Gott und die Welt“. Ihr Wahlspruch war: „Ich habe verziehen, vergessen kann ich nicht“. In diesem Sinne wünscht der SI Club Karlsruhe Helga noch weitere glückliche Jahre bei guter Gesundheit.

Anne Kern, SI Club Karlsruhe




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